Dichtheitsprüfung - Wann und warum Grundstückseigentümer die Abwasserleitung prüfen lassen sollten

Wahrscheinlich kennt jeder Hausbesitzer das beklemmende Gefühl, wenn er an die Rohre und Leitungen unter dem Haus denkt, die das Abwasser abtransportieren. Sind die Rohre hier noch in Ordnung, sickert das Abwasser vielleicht unkontrolliert in den Boden und richtet dort Schaden im Grundwasser oder dem Fundament an?

Spätestens seit ein paar Jahren kommt die bange Sorge hinzu, ob man nicht eventuell sogar verpflichtet ist, seine Abwasserleitung in Selbstüberwachung auf Dichtigkeit zu überprüfen. Die Dichtigkeitsprüfung, allgemeinhin auch als Kanal-TÜV bezeichnet, ist seit 2009 zum Schutz unserer Umwelt beschlossene Sache, doch trifft dies nicht auf alle Bundesländer zu und schon gar nicht haben alle Bundesländer hier dieselben Fristen.

Wann also muss man handeln? Für wen ist die Dichtigkeitsprüfung Pflicht, wer führt die Prüfung der Abwasserleitung durch und was kostet das eigentlich alles? Wir versuchen, diese Fragen für Sie zu klären und geben hilfreiche Tipps zur Vorbereitung auf die Prüfung sowie zur Auswahl des geeigneten Fachpersonals zum Check Ihrer privaten Abwasserleitung.

Was ist die Dichtheitsprüfung?


Die Dichtheitsprüfung geistert seit 2010 durch die Köpfe der Hauseigentümer und Eigentümer privater Grundstücke mit Abwasserleitung.

Dabei geht es darum, dass auf Grundlage der Neuauflage des Wasserhaushaltsgesetzes des Bundes, kurz WHG, laut § 60 Abs. 1 grundsätzlich jeder die Verpflichtung hat, seine Abwasseranlage so herzustellen und zu unterhalten, dass sie allgemein anerkannten Regeln der Technik entspricht.

Ist dies nicht der Fall, muss diese erneuert werden, sieht § 60 Abs. 2 vor.

Um den Zustand der Anlage zu überprüfen, hat das WHG eine Selbstüberwachung bei Abwasserleitungen eingeführt. Diese muss ausgeführt werden, wenn eine entsprechende Maßgabe durch eine Rechtsverordnung der Bundesländer oder eine behördliche Entscheidung zur Selbstüberwachung, zum Beispiel durch eine Kommune, vorliegt. Das wäre dann die Dichtigkeitsprüfung, also ein Check der privaten Abwasserleitungen, die zu einem öffentlichen Kanal führen.

Welche gesetzlichen Regelungen gelten für die Dichtheitsprüfung der Abwasseranlage?


Sauberes Wasser ist für Menschen, Tiere und Pflanzen überlebensnotwendig. Deswegen ist auch der Schutz des Bodens vor Schmutzwasser mit schädigenden Abfallstoffen so wichtig. Der Neuentwurf des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) der Bundesrepublik Deutschland hat sich dessen angenommen. Im Rahmen der Selbstüberwachung Abwasser sollen Dichtigkeitsprüfungen vorgenommen werden, die Zustand und Dichtheit der technischen Anlagen der privaten Abwasserkanäle aber auch der öffentlichen Kanalisation unter die Lupe nehmen.

Eine EU-Richtlinie zum Wasserschutz gibt es nicht, und auch die Vorgaben aus dem Wasserschutzgesetz des Bundes sind nur eine grobe Richtlinie. Die direkten Ausführungsbestimmungen liegen bei den Bundesländern. Für die Begutachtung werden zum großen Teil DIN-Normen, besonders die DIN 1986, und hier insbesondere der Teil 30, herangezogen, die die technischen Gegebenheiten definieren.

Warum muss eine Dichtheitsprüfung durchgeführt werden?


Die Frage, die Sie wohl nun aber sicherlich viel mehr interessiert, ist, ob und wann Sie zu einer Dichtheitsprüfung verpflichtet sind. Grundsätzlich schwirrte und schwirrt auch jetzt noch in den Köpfen der Eigentümer das Datum 31.12.2015 (bei Wasserschutzgebieten) und 31.12.2025 für alle anderen Abwasseranlagen mit häuslichem Abwasser herum. Dies waren die ursprünglich einmal festgelegten Zeiträume, in denen eine Dichtigkeitsüberprüfung in jedem Fall durchgeführt werden musste.

Regelung nach Bundesländern

Aber es muss gar nicht sein, dass diese Fristen für Sie gelten, denn die Regelungen sind in den einzelnen Bundesländern jeweils unterschiedlich. In manchen sind die Überprüfungen vorgeschrieben und mit einer Frist belegt, in anderen wiederum nicht. In einigen Bundesländern sind ursprünglich beschlossene Fristen zur Selbstüberwachung wieder aufgehoben worden, da sie die Kassen der Haus- und Grundstückseigentümer übermäßig belasten.

In den meisten Bundesländern sind daher derzeit noch keine fristgebundenen Regelungen für private Abwasserleitungen getroffen worden und die Vorschriften des WHG werden zunächst nur auf öffentlicher, kommunaler Ebene umgesetzt. So wird in den Kommunen Kanal um Kanal instandgesetzt und die Sanierung öffentlicher Abwassereinrichtungen vorangetrieben, ehe es hinsichtlich Dichtheitscheck und Sanierung auch in den privaten Bereich geht. Eine Ausnahme sind Wasserschutzgebiete, in denen es eine Fristenregelung gibt.

Mit Ausnahme von Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Bayern sind noch immer keine klaren Regeln gesetzt. In den meisten Bundesländern wie in Rheinland-Pfalz oder Sachsen sind die häuslichen Anlagen für Abwasser derzeit ausgenommen oder die Beratungen über eine Selbstüberwachung ausgesetzt (Hessen und Berlin). In Schleswig-Holstein beruft man sich zwar auf die DIN-Norm DIN 1986 Teil 30, aber setzt keine Fristen. Um wirklich sicher zu sein, ob und wann Sie aktiv werden müssen, sollten Sie in Ihrer Stadt oder Gemeinde nachfragen.

Regelmäßige Wiederholung der Dichtheitsprüfung


Mangels gesetzter Pflichten und Fristen können wir auch über die Abstände der Wiederholungen der Dichtigkeitsprüfungen keine festen Aussagen machen. Auch hier gilt: Informieren Sie sich bei Ihrer Kommune nach dem aktuellen Stand des Abwassergesetzes und der Ausführungsregelungen zu § 60 und § 61 WHG.

Zur grundsätzlichen Orientierung gibt es folgende Zeitabstände. Allerdings kann es in den Bundesländern zu Abweichungen kommen.

BedingungenPrüfungs-Rhythmus
Wasserschutzgebiet 2alle 5 Jahre erneute Prüfung
Wasserschutzgebiet 3alle 15 Jahre erneute Dichtheitsprüfung
gewerbliche Abwasseranlagenalle 15 Jahre erneute Überprüfung der Dichtheit
häusliche Anlagenalle 30 Jahre Check Ihres Abwasserkanals

Welche Verfahren zur Dichtheitsprüfung gibt es?


Um einen Schaden an einer privaten Abwasseranlage festzustellen, muss also ein Kanal-Check durchgeführt werden. Überprüft wird dabei auf:

  • sichtbare Schäden wie Risse oder Lecks
  • funktionsfähige Schächte
  • Grundwasser, welches eindringt
  • die sogenannte Befahrbarkeit der Kanäle und Rohre

Dabei werden alle verlegten Abwasserleitungen überprüft: Schmutzwasserleitungen, Mischwasserleitungen, Revisionsschächte und Kontrollschächte. Zumeist ist dies mit einer optischen Inspektion erledigt. Die DIN 1986-30 lässt diese Kamerasichtung als Dichtheitsbeweis zu. Um jedoch größere Mängel feststellen zu können, werden Leitungen zusätzlich und vor allem bei der Erstprüfung durch Druckbeschlagung mit Wasser geprüft. Auch wenn Teile des Abwassersystems nicht mit der Kamera erreicht werden können, empfiehlt sich die Druckprüfung.

Vorgehensweise bei der Druckbeschlagung

Das Netz wird an seinem tiefsten Punkt druckdicht verschlossen. Dafür wird eine pneumatische Blase verwendet. Nun wird Wasser (oder auch Luft) in den Abschnitt geleitet, der geprüft werden soll. Ist der Wasserpegel konstant, beginnt die Prüfung. Es dauert ungefähr 15 Minuten.

In dieser Zeit darf nur eine festgelegte Menge an Wasser verloren gehen; ist es mehr, gibt es irgendwo eine undichte Stelle und eine Sanierung steht an. Das Gleiche gilt auch, wenn überhaupt kein stabiler Wasserpegel erreicht und somit kein Check über einen bestimmten Zeitraum gemacht werden kann.

Vorgehensweise bei der optischen Dichtheitsprüfung

Vor der optischen Inspektion mit einer Kamera wird das Abwassersystem gereinigt. Dann wird die abbiegefähige Schiebekamera hineingelassen. An einem Monitor verfolgt der Sachverständige den Lauf der Kamera und hält Ausschau nach möglichen Schäden. Die optische Dichtheitsprüfung kann auch zusammen mit der Reinigung durchgeführt werden. dafür verwenden die Gutachter hydraulische Kameras. Seriöse Firmen zeichnen diese Kameraaufnahmen auf und speichern diese zu Dokumentationszwecken.

Wer führt die Dichtigkeitsprüfung durch?


In der Beschreibung der Verfahren zur Überprüfung der Dichtigkeit der bestehenden Abwasserleitungen klang es schon an: diesen Check muss ein Fachmann übernehmen. Auch wenn Sie für Ihr Grundstück in der Selbstwahrnehmungspflicht sind, können Sie die Dichtigkeitsprüfung nicht einfach allein durchführen.

Nur ausgewiesenes Personal fachkundiger Betriebe, die das bau- und materialtechnische Verständnis mitbringen und über Fachwissen in der Dichtigkeitsprüfung verfügen, können diese auch durchführen.

In Ihrer Gemeinde oder Stadt gibt es zumeist Listen mit Fachbetrieben, die von der zuständigen Behörde als seriös empfohlen werden. Oder Sie schauen einfach auf Notprofi.de, denn wir haben für Ihre Region bereits die Betriebe ausgewählt und geprüft, die günstig und kompetent die Dichtheitsprüfung übernehmen.

Tipp: Achten Sie bei der Auswahl des Fachbetriebes auf deren Ausrüstung wie Hochdruckspülanlagen, Ortungssender und Schiebekameras mit Dreh- und Schwenkkopftechnik sowie deren Dokumentationsangebote wie CD's oder DVD's.

Was kostet eine Dichtheitsprüfung?


Pauschale Aussagen über die Kosten einer Überprüfung Ihres Abwassersystems auf Dichtheit sind sehr schwer zu machen. Das liegt an der Unterschiedlichkeit der Kanäle hinsichtlich Bauweise, Material und Länge, die sich durch Ihr Wohneigentum und die Lage Ihres Grundstücks zum öffentlichen Abwasserkanal ergeben. Im Schnitt können Sie aber mit einer Summe zwischen 400 und 2000 Euro rechnen. Die genauen Kosten werden Ihnen vom Fachbetrieb und unseren Partnern individuell ausgewiesen.

Gute Vorbereitung hilft, Kosten zu sparen – Tipps für die Dichtheitsprüfung

Wie Sie gesehen haben, ist das Thema Dichtigkeitsprüfung sehr spezifisch und bei weitem nicht auf jede Region gleichermaßen anwendbar. Beachten Sie immer die jeweiligen Vorschriften Ihres Bundeslandes und informieren Sie sich ausführlich.

  • Das Bauamt und das Abwasseramt Ihrer Gemeinde wird Sie kompetent beraten.
  • Sprechen Sie sich mit Nachbarn ab, um Sammelaufträge für die Prüfung zu vereinbaren, um Kosten zu sparen.
  • Bereiten Sie für die Profis alles vor, damit es vor Ort nicht zu Komplikationen kommt. Dazu gehört nicht nur der Zugang zum Kanal, sondern auch die Beschaffung aktueller Baupläne.
  • Gibt es eine Frist, so warten Sie nicht bis zum allerletzten Tag mit der Beauftragung. Die Kapazitäten der Fachleute sind begrenzt, was die Preise kurz vor einem gesetzlich festgelegten Termin steigen lässt.

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